Selbstbewusst – Souverän – Gelassen: Unser Umgang mit der AfD in Sachsen-Anhalt

Thesenpapier der CDU-Landesgeschäftsstelle

1. Unser Blick auf die AfD

Mit der letzten Landtagswahl ist eine neue Partei im Landtag von Sachsen-Anhalt eingezogen, die auf Anhieb fast so viele Stimmen bekam, wie SPD und Linkspartei zusammen. Mehr als ein halbes Jahr danach ist es für uns Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen und uns über den weiteren Umgang mit dieser Partei zu verständigen.

Es besteht kein Zweifel: die AfD ist eine in vielen Teilen radikale Partei, die Stimmungen anheizt und das politische Klima in Deutschland vergiftet. Viele in der AfD lehnen die Spielregeln unserer Demokratie ab und verstehen sich als Systemopposition. Dieses Selbstverständnis teilen sie mit den radikalen Kräften in der Linkspartei. Viele Kandidaten und Mandatsträger hatten oder haben Kontakte zu rechtsextremen Kreisen. Aber es wäre falsch, die Partei als rechtsextremistisch einzustufen. Sie ist ein bunter Haufen, in dem ehemalige Mitglieder der SED, der DKP, der Grünen, der Republikaner, der SPD und auch der CDU zu finden sind. Die Partei ist insgesamt kein Fall für den Verfassungsschutz, sondern für die demokratische Auseinandersetzung. Diese können wir gelassen führen, weil wir nach Lösungen suchen und nicht nach Sündenböcken.

Die AfD wird auch von der Mehrheit ihrer Wählerinnen und Wähler als Ventil für Protest gesehen. Damit hat sie mehr gemeinsam mit der Linkspartei, als mit uns als Volkspartei der Mitte. Die AfD hat keine Lösungen für unser Land und sie will auch keine finden. Ihre Landtagsfraktion ist bislang vor allem durch Ideenarmut und Postengeschacher aufgefallen. Viele ihrer Abgeordneten sind – auch in ihren Wahlkreisen – bisher weitgehend „unsichtbar“ geblieben.

Politische Verantwortung sieht anders aus. Als selbsternannte „Stimme der Bürger“ ist die AfD ein Totalausfall. Das muss uns motivieren, mit den Bürgerinnen und Bürgern wieder besser ins Gespräch zu kommen. Als führende Kommunalpartei haben wir den Willen und die Möglichkeiten dazu.

Die AfD weiß nicht, was sie sein will. Ihre stärkste Identifikation zieht sie aus der Abgrenzung gegen die „Altparteien“. Dieser Begriff ist Unsinn, aber er zeigt an, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich von den Parteien mehr Profil erhoffen. Für uns ist deshalb wichtig: Die Union muss erkennbar sein: mit eigenen Positionen, mit Kompetenz und auch mit der Bereitschaft, sich abzugrenzen – nach links und nach rechts. Wir werden uns deshalb auch nicht an der von links propagierten Ausgrenzungsstrategie gegenüber der AfD beteiligen und uns in keine „Einheitsfront“ einreihen lassen. Statt linker Ausgrenzung und Wählerbeschimpfung suchen wir die demokratische Auseinandersetzung mit der AfD – im Parlament und nicht auf der Straße.

Die Wähler der AfD sind keine Aussätzigen, ihre Politiker sind es auch nicht. Berührungsängste gibt es deshalb nicht. Wir nehmen zudem mit Interesse zur Kenntnis, dass es diese Berührungsängste offenbar auch bei linken Parteien nicht gibt, wenn es um den Machterhalt geht: in Thüringen sitzt der ehemalige Vize-Fraktionschef der AfD jetzt für die SPD im Landtag und sichert Rot-Rot-Grün die knappe Mehrheit. Für uns ist deshalb klar: Unsere Tür bleibt offen für Menschen, die der AfD den Rücken kehren wollen.

2. Unser Umgang mit der AfD

Die AfD ist eine Herausforderung für alle Parteien. Als CDU nehmen wir diese Herausforderung an, indem wir uns konstruktiv und sachlich mit den Argumenten dieser Partei auseinandersetzen. Auch auf Provokationen reagieren wir unaufgeregt. Für unseren Umgang mit der AfD wählen wir einen Dreiklang aus Selbstbewusstsein, Souveränität und Gelassenheit.

2.1 Selbstbewusst Politik gestalten

Wir sind die führende politische Kraft in unserem Land. Wir sind die Partei der Mitte und der politischen Vernunft. Mit dieser klaren Haltung haben uns die Wählerinnen und Wähler den erneuten Regierungsauftrag erteilt. Bei der Landtagswahl waren wir die Partei mit den höchsten Kompetenzzu-schreibungen. Das ist ein Ergebnis unserer erfolgreichen Regierungsbilanz seit 2002 wie auch unserer intensiven Programmarbeit. Es wäre fatal, wenn wir den Fehler einer anderen Partei wiederholen und unsere eigene Arbeit prinzipiell in Frage stellen würden. Wir haben allen Grund, stolz auf unsere Leistungen zu sein und optimistisch nach vorn zu blicken. Uns – und nicht der AfD oder den linken Parteien – trauen die Menschen zu, die besten Lösungen für dieses Land zu finden. Unseren politischen Kurs bestimmen wir selbst – nicht die Koalitions-partner und schon gar nicht die politischen Extremisten rechts und links. Deshalb gehen wir genauso selbstbewusst in die politische Auseinandersetzung mit der AfD, wie mit allen anderen Parteien.

2.2 Souveränität ausstrahlen

Im Gegensatz zu anderen Parteien schauen wir mit Stolz auf unser Land. Unser Staat ist handlungsfähig und mit einer starken CDU in Regierungsver-antwortung wird er das auch bleiben. Unserem Land und seinen Bürgern geht es so gut wie nie. Sachsen-Anhalt hat die rote Laterne abgegeben und befindet sich auf Wachstumskurs – bei Wirtschaftskraft, Einkommen und in einigen Regionen auch bei der Bevölkerung. Es bleibt viel zu tun, aber wir sind auf dem richtigen Kurs. Das gilt auch für Deutschland und Europa: der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, von der niemand stärker profitiert als wir Deutschen. Unser Status als Exportweltmeister sichert Millionen von Arbeitsplätzen. Als führende politische Kraft in Deutschland und Sachsen-Anhalt strahlen wir Souveränität aus, wo die AfD nur verunsichern will. Wir geben Orientierung, wo die AfD nur Verwirrung stiften will. Wir sorgen für Sicherheit, wo die AfD nur Angst schüren will.

2.3 Gelassenheit statt Hysterie

Die Wahlergebnisse der AfD müssen allen Parteien zu denken geben. Auch uns. Nachdenken über die eigene Politik bedeutet aber nicht, der AfD nachzulaufen. Wir wissen: Populistische Überbietungswettbewerbe gewinnen immer die Radikalen. Wer glaubt, das Wettrennen zwischen Hase und Igel gewinnen zu können, verliert das Vertrauen der Menschen. Dies war einer der Fehler, den die SPD im Umgang mit der Linkspartei gemacht hat und für den sie bis heute einen sehr hohen Preis bezahlt. Wir gehen deshalb einen anderen Weg. Wir bleiben gelassen, wo die SPD einst in Hysterie verfallen war. Zugleich machen wir in der Auseinandersetzung deutlich, dass die AfD keine politischen Alternativen bietet, sondern die Krise erst herbeiredet, von der sie profitieren will. Die AfD will Probleme nicht lösen, sondern verschärfen.

3. Klare Kante in der Koalition

Wir sind der Taktgeber der Kenia-Koalition. In den Koalitionsverhandlungen haben wir viele Blütenträume von SPD und Grünen verhindert. Beide Koalitionspartner haben beispielsweise unsere klare Haltung in der Flüchtlings-krise und eine Obergrenze für die Integration von Flüchtlingen akzeptieren müssen. Auch für die Zukunft ist es wichtig, dass die Union als Volkspartei mit konservativen und marktwirtschaftlichen Positionen erkennbar bleibt.

Die „Kenia“-Koalition ist keine Liebesheirat, aber sie ist die einzige Möglichkeit, unser Wahlversprechen gegenüber den Bürgern einzulösen: Stabile Verhält-nisse für eine gute Entwicklung unseres Landes. Alle Gedankenspiele über ein zweites „Magdeburger Modell“ sind daher völlig realitätsfremd und würden unser Land ins Chaos stürzen. Sie würden uns außerdem zudem machen, was die wie die SPD 1994 in Sachsen-Anhalt und 2008 in Hessen gewesen war: Wortbrüchig. Wir wollen aber nicht so werden, wie die SPD. Wir haben die Sozialdemokratie in Sachsen-Anhalt 1994 und auch danach immer zu Recht für die Bildung einer Minderheitsregierung kritisiert und wir haben mit unserer Kritik auch Recht behalten. Die Bilanz der rot-roten Minderheitsregierung 1994-2002 war verheerend für unser Land. Das darf sich nicht wiederholen. Bis 2021 wird die „Kenia“-Koalition dieses Land erfolgreich führen.

Die CDU hat immer klare Kante gegen jede Form von politischem Extremismus gezeigt. Das Herumeiern überlassen wir anderen. Aber wir müssen auch Lösungen anbieten, die die Menschen überzeugen. Die Flüchtlingskrise im letzten Jahr haben viele Menschen als staatlichen Kontrollverlust empfunden. Die Integrationsprobleme vieler Flüchtlinge und die schleppende Abschiebung abgelehnter Asylbewerber beunruhigen viele Menschen. Das dürfen wir nicht abtun, das müssen wir ernst nehmen. Das Bedürfnis nach Sicherheit, Recht und Ordnung verlangt bürgerlich-konservative Antworten, die auf dem Boden unseres Rechtsstaats stehen. Solche Antworten gibt nur die CDU. Eine AfD brauchen wir weder hier, noch anderswo.

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